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Die Resilienzmeister im deutschen Mittelstand

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Was ist die Erfolgsformel der digitalen Vorreiter im Mittelstand? Ein Gespräch mit Bernhard Steimel, Geschäftsführer von mind digital und Autor der Studie.

Die ersten beiden Studien „Digitale Dividende im Mittelstand“ (2018) und „Digitale Vorreiter im Mittelstand“ (2020) thematisierten vor allem den Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Geschäftserfolg und zeigen erfolgreiche Innovationsstrategien. Jetzt wurde der dritte Teil der Studienreihe mit dem Titel „Die Resilienzmeister“ veröffentlicht. Es geht darum, wie Unternehmen durch Digitalisierung widerstandsfähiger werden. Der Ukraine Krieg hat nun die Relevanz von unternehmerischer Widerstandskraft noch mal drastisch verschärft. 

Die Erfolgsformel für Resilienzweltmeister

Die Erfolgsformel für Resilienzweltmeister

Die Studie zeigt: Resilienz durch Digitalisierung ist überlebenswichtig. Eine starke These! Bitte ordnen Sie uns das nochmal ein. 

Bernhard Steimel: In der Wirtschaft bedeutet Resilienz die Fähigkeit, Schocks besser als der Wettbewerb zu verarbeiten. Resiliente Unternehmen sind anpassungsfähiger. Sie sind in der Lage, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Gewinn zu erwirtschaften und danach in der Erholungsphase weiter zu wachsen. Es gilt die einfache Logik: Wer die Krise gut übersteht, wächst anschließend stärker.

Unsere empirische Untersuchung liefert den Nachweis: Digitale Vorreiter befinden sich auf Wachstumskurs. Sie haben einen Wettbewerbsvorteil und kommen besser als der Wettbewerb aus der Krise. 

Welche Fragen haben Sie für die neue Studie unter die Lupe genommen und wie gut wurde die Digitalisierung in den Unternehmen mittlerweile umgesetzt?

Bernhard Steimel: Wir haben 56 Tiefeninterviews mit deutschen Mittelständlern geführt. Die Interviews behandelten fünf zentrale Fragestellungen, aus denen wir Resilienz-Strategien ableiten konnten: 
Wir steigen mit der Frage nach der Krisendynamik und den Erfahrungen aus der Coronakrise ein. Wie erhöht die Digitalisierung die Resilienz und welchen konkreten Wertbeitrag leisten Digitalisierungsmaßnahmen? Wir haben die Teilnehmer nach ihren wichtigsten Projekten befragt und so fünf Resilienzfaktoren identifiziert. Abschließend haben wir die Experten zu ihren „Lessons Learned” befragt. Diese liefern konkrete Handlungsempfehlungen für die Leser.

Unsere Erkenntnis: Der Digitale Reifegrad hat sich im Zeitverlauf verbessert. Der Anteil der Experten oder Meister ist deutlich von 38 auf 72 Prozent gewachsen. Das verwundert nicht, denn bei 80% der Unternehmen hat die Pandemie die Digitalisierung messbar beschleunigt.

Was sind die 5 Erfolgsfaktoren, die die digitalen Vorreiter resilienter machen?

Bernhard Steimel: Der erste Faktor ist die ANPASSUNGSFÄHIGKEIT. 87 Prozent der digitalen Vorreiter setzen auf agile Methoden. Agile Transformation schafft aus Sicht der Befragungsteilnehmer das Wachstumsfundament.

HANDLUNGSSCHNELLIGKEIT ist der zweite Resilienzfaktor, den wir identifiziert haben. Prozessdigitalisierung erhöht die Geschwindigkeit und damit die Profitabilität. So hat ein Handelsunternehmen in nur 14 Tagen eine digitalen Vertriebslösung (Click & Collect) eingeführt, um trotz Lockdown die Kund*Innen weiter bedienen zu können.

Ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor in der Krise ist die RESONANZFÄHIGKEIT. Digitale Customer Experience sichert das Bestandsgeschäft. E-Commerce machte das Einkaufen sicherer. Digitale Messen haben geholfen, den Neukunden-Kontakt aufrecht zu erhalten. Die Befragungsteilnehmer sehen ein hohes Wachstumspotential bei digitalem Vertrieb, mehr als 50 Prozent bis 2025.

Resilienzfaktor Nummer 4 ist SMARTNESS. Damit sind vor allem digitale Geschäftsmodelle gemeint, die neue Wertschöpfung bringen. Besonders erfolgreich sind Unternehmen, die digitale Geschäftsmodelle nah am Kerngeschäft entwickeln. Insgesamt wird ein zweistelliger Anstieg bei smarten Produkten & Services bis 2025 erwartet.

Das fünfte Elemente ist für uns die ENTSCHLOSSENHEIT. Das ist der unternehmerische Mut, alte Zöpfe abzuschneiden und mit Konsequenz neue Wege einzuschlagen. Trotz Krise hat kaum ein resilientes Unternehmen seine Investitionen in die Digitalisierung reduziert. Jedes dritte Unternehmen investiert über 50 Prozent in die Digitalisierung. Digitale Diversifikation führt zu nachhaltigem Wachstum. Jeder dritte Euro wird digital verdient.

Sie haben 54 Top-Entscheider und Digitalisierungsverantwortliche interviewt. Ihre Frage an sie war, mit welchen Erfolgsmustern sie Krisenzeiten wie diese bewältigen. Welche Rückmeldungen der Unternehmen haben Sie am meisten beindruckt? 

Bernhard Steimel: Am beeindruckendsten waren sicherlich die sehr guten Geschäftsergebnisse, das klare Bekenntnis zur Digitalisierung als Wachstumsfundament und die Entschlossenheit, das ganze Unternehmen zu transformieren und auf dieser Lernreise möglichst alle Mitarbeitenden mitzunehmen.

Siebzig Prozent der Unternehmen erleben einen Aufschwung, trotz Pandemie und Engpässen bei Lieferwegen und Material. Sie wachsen schneller als zuvor. Jedes zweite Unternehmen verzeichnet zweistellige Wachstumsraten. Und wächst damit schneller als der Markt. 

Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist Phoenix Contact. Durch den frühzeitigen Einstieg in die eMobilität ist die Firma zum Weltmarktführer für Schnellladetechnik geworden. Digitalisierung ist ein Wachstumsziel und Technologie sichert Beschäftigung, so die Überzeugung von Prof. Dr. Gunter Olesch. Bald werden viele Mitarbeitende verrentet und diese Entwicklung muss kompensiert werden. Um die Zukunft zu sichern, brauchen Unternehmen die Digitalisierung. Der Erfolg gibt Olesch recht: Phoenix Contact hat 2021 das größte Wachstum seit der Gründung erlebt. Die Westfalen haben den Umsatz um 25 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro gesteigert und im vergangenen Jahr 2.500 neue Mitarbeitende eingestellt.

IT und digitale Plattformen sind das Fundament für Wachstum, Resilienz und Anpassungsfähigkeit im Mittelstand.

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Was macht die ARD oder die Drogeriekette dm anders? Sie sind digitale Vorreiter und kommen besser durch die Pandemie dank zuverlässiger und resilienter Infrastruktur und digitalen Plattformen.

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