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Hubertus Kischkewitz

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Drei, geh! Testfahrten für die UMTS-Abschaltung

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Die Wahl von Barack Obama zum US-Präsidenten 2008, der letzte Flug des Space Shuttle 2011, der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. 2013 – und natürlich der WM-Titel der deutschen Fußballer 2014 in Brasilien. All diese Ereignisse haben Millionen von Menschen in Deutschland an einem Handy mit UMTS-Mobilfunk verfolgt. Mit UMTS – oder auch 3G – und mit dem iPhone 3G von 2008 begann das Smartphone-Zeitalter erst so richtig. Facebook und Twitter, Instagram und WhatsApp wären ohne UMTS niemals denkbar gewesen. Nun nimmt die einst bahnbrechende Technik nach 17 Jahren Abschied, und es heißt „Drei, geh!“ für 3G.

Ein Bildschirmausschnitt zeigt Daten zur Mobilfunkversorgung

Bei den Testfahrten werden Daten vor und nach der Abschaltung des UMTS-Netzes gesammelt und ausgewertet.

Am 30. Juni schaltet die Deutsche Telekom ihr UMTS-Netz ab. Sie nutzt die freiwerdenden Frequenzen dann für die schnelleren und leistungsfähigeren Dienste LTE/4G und 5G. Wir verraten, wie die letzten Vorbereitungen für den Start des neuen Mobilfunk-Zeitalters laufen – und erklären, was die Telekom-Kunden davon haben.

Tschüss, gutes altes UMTS!

Zu seinen besten Zeiten galt UMTS als ungefähr so schnell wie der damalige 100-Meter-Olympiasieger Usain Bolt. Mittlerweile reichen maximale Downloadgeschwindigkeiten von 42 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) aber nicht mehr aus, um Videos blitzschnell aufs Handy zu laden oder um ruckelfrei in HD-Qualität per Zoom zu kommunizieren. Heute sind deutlich mehr Bandbreite und viel kürzere Reaktionszeiten erforderlich. Zum Vergleich: LTE schafft bis zu 300 Mbit/s. 5G ermöglicht schon zu Beginn bis zu 1.000 Mbit/s oder ein Gigabit – und langfristig sogar zehn Gigabit.

Am technischen Großprojekt der Umschaltung von UMTS zu LTE/5G arbeiten Hunderte von Telekom-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Tobias Hinkel leitet das Teilprojekt der LTE- und 5G-Zuschaltung. Er schildert den praktischen Nutzen für die Kunden: „Die bisherigen UMTS-Frequenzen werden jetzt frei und zukünftig für LTE und 5G genutzt. Gerade unsere Kunden auf dem Land, wo es vorher vielleicht nur eine UMTS-Versorgung gab, profitieren von mehr Geschwindigkeit und von mehr Kapazität. Das wird sich gerade beim Download von Videos oder auch beim Hochladen von Fotos bemerkbar machen.“

So läuft der Wechsel von UMTS zu LTE und 5G

Bastian Mroch kümmert sich mit einem Team um die Abschaltung von UMTS. Er erklärt den Ablauf und den gewaltigen Umfang der Maßnahmen: „Wir schalten über 20.000 UMTS-Stationen in Deutschland ab. Dabei müssen wir zusätzlich den umliegenden 2G- und 4G-Standorten mitteilen, dass diese UMTS-Stationen auch abgeschaltet sind. Das Ganze läuft rein Software-basiert.“

Dabei schalten Skripte, die über Nacht ins Netz laufen, die UMTS-Mobilfunkstationen im Sekundentakt automatisiert ab. So wickelt die Telekom die Abschaltung aller Stationen innerhalb einer Nacht ab. UMTS „stirbt“ also sozusagen den Sekundentod und macht Platz für neue, schnellere und komfortablere Technik.

Telekomtechniker steht in einem Technikraum

Experte Bastian Mroch erläutert die Abschaltung des UMTS-Netzes in über 20.000 Stationen.

So funktionieren die Tests der Telekom

Auch wenn die eigentliche Abschaltung binnen Sekunden funktioniert – die Vorbereitungen für diese Netzoptimierung haben Monate oder sogar Jahre in Anspruch genommen. Eines der zentralen Elemente sind dabei Messfahrten, bei denen vorab untersucht wurde, wie sich die UMTS-Abschaltung und der Switch der Frequenzen zu LTE und 5G auf die Mobilfunkversorgung vor Ort in der Praxis auswirken.

Dazu fuhren Telekom-Messwagen drei Wochen lang durch die Testregion Limburg/Koblenz. Sie hielten zunächst den Ist-Zustand bei aktivem UMTS-Netz fest – der dann in zwei weiteren Phasen mit den Werten nach der Abschaltung der UMTS-Frequenzen sowie nach der Aktivierung von LTE und 5G verglichen wurde. Messtechniker Dieter Terlau erklärt die Technik in seinem silbernen Kombi: „Im Kofferraum haben wir einmal die zentralen Einheiten, die für die Steuerung unserer Messgeräte zuständig sind. Darüber hinaus haben wir zwei Scanner verbaut – einen für die 2G- und 4G-Funkfrequenzen, und einen für die 5G-Frequenzen.“ 

Wer das Telekom-Messfahrzeug sieht, mag sich über den Dachgepäckträger wundern, der mitten im Frühjahr an Skiurlaub erinnert. Doch in der Box befinden sich insgesamt acht Smartphones zum Messen der Mobilfunkversorgung. Sie sind über Dämpfungshauben so abgeschirmt, dass der Handyempfang der Realität in einem fahrenden Auto entspricht.

Das wird dabei gemessen

Solche Fahrzeuge waren auf dem Land und in der Stadt, auf Autobahnen und an Bahnstrecken unterwegs – mal ganz nahe an Mobilfunkstandorten, und mal weit entfernt. Bei einer 45-minütigen Fahrt über die A3 von Bad Honnef übers Schmelztal bis zur Anschlussstelle Neuwied entstanden dabei gut und gerne 33 Megabyte an Daten – und das für jedes einzelne der acht Smartphones in der „Skibox“.

Alexander Sieberz ist bei der Telekom einer der Verantwortlichen für die Messung der Netzqualität. Er sitzt vor einem großen Wandmonitor, auf dem alle Mobilfunkstationen in der Testregion markiert sind – eine schier unübersehbare Menge von kleinen Dreiecken mit den verschiedensten Farbkategorien. Er verrät: „Das sind alle unsere Stationen im Testgebiet, die betroffen sind. Und da müssen wir eben testen, dass alle Übergänge einwandfrei und sauber funktionieren.“

Die Kernfragen waren dabei immer wieder die gleichen: Wie stabil sind die Verbindungen? Wie schnell klappt der Rufaufbau? Ist der Datenfluss reibungslos? Klappt der Wechsel der Dienste? Und wie hoch sind die Datenraten?

Diese Messungen sind besonders wichtig

Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, müssen die Fahrzeuge nicht jede einzelne Mobilfunkstation abklappern, so Alexander Sieberz: „Jede Zelle schaffen wir nicht. Aber wir versuchen schon, den Großteil der Stationen bei der Messfahrt zu erwischen.“

Die Experten wählen unter anderem Standorte mit komplexer Topografie aus: „Das ist zum Beispiel das Lahntal, weil es dort durch den engen Einzug im Gelände mit der Versorgung sehr kritisch ist. Aber wir fahren natürlich auch an den wichtigen Standorten an der Autobahn A48/A3 entlang, die sind ebenfalls im Fokus.“ Die Messungen analysieren beispielsweise genau, was passiert, wenn die Fahrzeuge auf der Autobahn von einer Mobilfunkzelle in die nächste wechseln und übergeben werden – automatisch, und ohne dass der Nutzer etwas davon merken soll. 

20210608_UMTS-Testfahrt_3

Insgesamt haben die Testfahrer bei ihrer Fahrten vorbei an hunderten Mobilfunkstationen viele Gigabyte an Daten gesammelt.

Und das kam dabei heraus

Auf seinem Bildschirm sieht Alexander Sieberz unter anderem, dass der Datenverkehr auf der A3 von Köln nach Frankfurt, zwischen Hombach und der Anschlussstelle Neuwied, staufrei fließt: „Hier sieht man, dass wir keine Unterbrechungen haben, weder bei den Datenverbindungen noch bei den Telefongesprächen.“

Insgesamt lässt der aufwändige Großversuch in der Region Limburg/Koblenz erwarten, dass der Wechsel von UMTS zu LTE/5G bundesweit reibungslos funktioniert, so Experte Sieberz: „Wir haben keine Überraschung gefunden, alles läuft planmäßig. Wir sind im Moment sehr zufrieden.“ Damit stehen die Signale auf grün.

Und mit der UMTS-Abschaltung ist das große Messen noch längst nicht beendet. Denn die Telekom führt jeden Tag zahllose Messfahrten in ganz Deutschland durch – zum Beispiel in ICE-Fernzügen oder auch in Taxen, die so viel im Stadtverkehr unterwegs sind, dass sie Unmengen von realistischen und alltagstauglichen Messwerten liefern. Denn bei Datenraten hilft kein Daten raten. Hier braucht die Telekom jederzeit und bundesweit ganz exakte Messwerte, um ihre Kunden optimal zu versorgen.

Die ganze Testfahrt gibt es im Video zu sehen.

20210608_UMTS-Testfahrt_thumb
Zwei Mobiltelefone

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Sandra Döring

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