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Markus Jodl

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Neuschwanstein: Mobilfunk am Märchenschloss

Neuschwanstein, das Märchenschloss von König Ludwig II. von Bayern, ist nicht nur eines der schönsten Bauwerke Deutschlands. Und es ist nicht nur mit jährlich 1,5 Millionen Besuchern eine der größten deutschen Touristenattraktionen. Es war Ende des 19. Jahrhunderts auch das vielleicht modernste Bauwerk in Bayern und weit über Bayern hinaus. Und das, obwohl Neuschwanstein nie komplett fertiggestellt wurde. Eine ewige Baustelle ist und bleibt das Schloss auch in Sachen Mobilfunk. Wir verraten, warum es für die Besucher bis heute keinen zeitgemäßen Handyempfang gibt. Und wir erklären, warum die Telekom den Einheimischen und Gästen jetzt zumindest in der Umgebung des Schlosses endlich schnelles 4G/LTE und 5G anbieten kann.

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Wir verraten, warum es für die Besucher bis heute keinen zeitgemäßen Handyempfang gibt.

5G für den technikbegeisterten Bayern-Kini

Wenn er nicht 1886 unter bis heute mysteriösen Umständen im Starnberger See ertrunken wäre, und wenn er das ewige Leben hätte, wie es sich für einen Märchenkönig gehört – dann hätte Ludwig II. bestimmt längst dafür gesorgt, dass es auf Neuschwanstein vernünftigen Mobilfunkempfang gibt. Denn der Kini war ein echter Technikfreak (auch wenn es das Wort zu seinen Lebzeiten noch nicht gab).

Die Baumaterialien für sein Schloss ließ er von einem Dampfkran nach oben auf den Berg schaffen. Der damals neu gegründete Dampfkessel-Revisionsverein, der spätere TÜV, musste dabei kontrollieren, ob in Sachen Sicherheit alles in Ordnung war. Speisen forderte Ludwig II. bei seiner Dienerschaft über eine elektrische Rufanlage an – die sie dann per Aufzug in die königlichen Gemächer brachte. Und der Regent verfügte über das wohl erste Wasserklo Bayerns – das mit einer ausgeklügelten Ventilkonstruktion automatisch spülte, wenn er sich mit seinem immer dickeren königlichen Leib vom Ledersitz erhob. Im dritten und vierten Obergeschoss gab es Telefonanschlüsse. Aber von Mobilfunk oder gar 5G konnte König Ludwig nicht einmal träumen. Und das hat sich auf Neuschwanstein bis heute nicht geändert.

Das lange Warten auf den Mobilfunk in Hohenschwangau

Der Bau von Neuschwanstein dauerte von 1869 bis 1892. Weil Ludwig II. am Ende seines Lebens völlig überschuldet war, wurde das Schloss nach seinem Tod nur noch notdürftig fertiggestellt. Viele seiner „märchenhaften“ Pläne blieben unvollendet. Nicht ganz so lange, aber doch schon viele Jahre, versucht die Deutsche Telekom, das Schloss und seine Umgebung als absoluter Touristen-Hotspot mit Mobilfunk zu versorgen.

Warum sich das Projekt zwischen Neuschwanstein und dem benachbarten Schloss Hohenschwangau so lange hinzieht, weiß Peter Käßler, kommunaler Ansprechpartner der Telekom hier in der Region: „Es ist vom Denkmalschutz her extrem schwierig, hier etwas zu machen. Auch das ganze Gebiet unter den Schlössern steht unter Denkmalschutz.“ Zudem besagt die sogenannte Ortsgestaltungssatzung, dass man nicht mehr als zweieinhalb Meter „über Dach“ bauen darf. Diese Vorgaben zum Schutz der „königlichen Landschaft“ schränken die Möglichkeiten stark ein, in der Gemeinde Hohenschwangau rund um die Schlösser ein leistungsfähiges Mobilfunknetz mit entsprechenden Antennen aufzubauen.

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Wir fragen den kommunalen Ansprechpartner der Telekom, Peter Käßler, wann das Warten auf Mobilfunk in Hohenschwangau ein Ende hat.

Endlich: LTE und 5G für die Gäste aus aller Welt

Beinahe wie im König-Ludwig-Märchen ist es nun aber doch zu einem Durchbruch (und das im wahrsten Sinne des Wortes durch ein Hoteldach) für die Menschen in Hohenschwangau und die zahllosen Kini-Wallfahrer gekommen. Das Hotel Ameron, das seinen Gästen bisher weder in der Lobby noch in den Konferenzräumen schnellen Mobilfunk anbieten konnte, hat der Telekom den Dachboden eines Nebengebäudes vermietet. Dort, im sogenannten „Haus Lisl“, konnte die Telekom jetzt am und unter dem Dach eine Mobilfunkanlage installieren, die allen Denkmalschutzvorschriften entspricht. Sie versorgt das Hotel und seine Gäste, die Einwohner in der Umgebung und Millionen von Besuchern des Ortes mit 2G/GSM, 4G/LTE und 5G – was praktisch drei Fliegen mit einer Klappe schlägt. „Und diese Versorgungsqualität“, so Telekom-Experte Peter Käßler, „brauchen wir auch dringend. Denn wenn hier in Sachen Besucher der Bär steppt, ist die Bude voll“.

Das Loch im Dach von Haus Lisl

Um die Anlage in den altehrwürdigen Gemäuern von Haus Lisl unterzubringen, war ein enorm hoher Aufwand erforderlich. Thomas Bauer, Roof Site Manager der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm, erklärt vorab, was passiert: „Wir werden das Dach öffnen, der Kranwagen ist gerade eingetroffen. Mit dem Kran montieren wir den Antennenträger mit den Antennen, danach folgen der Hilfsrahmen und die Technik. Und dann wird das Dach möglichst schnell wieder verschlossen.“ Denn über die Hühnerleiter, die auf den Dachboden von Haus Lisl führt, lassen sich weder die Serverschränke der Telekom noch die Antennentechnik nach oben transportieren.

Nach zwei, drei Tagen Arbeit ist das klaffende Loch im Hoteldach wieder fest verschlossen und die Anlage ist installiert. Das Ganze wäre auch einfacher gegangen, wie Thomas Bauer weiß: „Als erstes war gedacht, dass wir in unmittelbarer Umgebung am Waldrand einen 30-Meter-Träger errichten. Vorteil wäre gewesen, dass der natürlich mehrere Betreiber aufnehmen kann – und dass der Versorgungsradius deutlich größer gewesen wäre, auch Richtung Ortschaft Schwangau.“ Dafür gab es aber keine Genehmigung der Naturschutzbehörde.

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Über das geöffnete Dach wird die Server- und Antennentechnik in das Haus Lisl transportiert und anschließend montiert.

Immer noch kein Mobilfunk fürs Schloss

Unten im Ort bringt der Mobilfunk jetzt einen Riesenfortschritt für Einheimische und für den Tourismus. Wermutstropfen bei der Lösung auf dem Dachboden von Haus Lisl: Das Schloss Neuschwanstein selbst wird nach wie vor nicht mit zeitgemäßem Mobilfunk versorgt. „Das wird man von dem Standort leider nicht erreichen“, hadert der Kommunalbeauftragte Peter Käßler.

Die Telekom versucht seit Jahren, dafür eine Einigung mit der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung zu finden – leider bisher vergebens. Denn es gibt zwar durchaus Mobilfunkanlagen an denkmalgeschützten Gebäuden oder auch Schlössern, die kaum oder überhaupt nicht sichtbar sind. Hier sind verschiedenste kreative Lösungen möglich, bei denen Antennen verkleidet oder baulich angepasst werden. Aber schlussendlich handelt es sich immer um eine Einzelfall-Entscheidung, die davon abhängt, wem das Gebäude oder Denkmal gehört, oder wer es verwaltet.

Die Hoffnung auf königlichen Empfang

Genauso hartnäckig, wie Ludwig II. den Bau seines Märchenschlosses vorangetrieben hat, versucht die Telekom auch weiterhin, modernen Mobilfunk nach Neuschwanstein zu bringen. Peter Käßler und seine Kollegen geben noch längst nicht auf: „Wir bohren sozusagen gerade an einem anderen Schloss. Und wir haben die Hoffnung, dass wir dort eine Lösung finden, die so gut ankommt, dass wir dann eventuell auch über Neuschwanstein nochmal reden können.“

An der Technik soll es nicht scheitern, so Experte Käßler: „Wir haben verschiedene Schlösser, wo wir so etwas gemacht haben, unters Dach zu gehen oder in die Wand hineinzubauen. Das ist alles möglich, aber man muss es halt wollen. Und das ist momentan so ein bisschen das Problem.“ Es bestehen jedenfalls nach wie vor Chancen, dass gut 150 Jahre nach dem modernen Wasserklo auch moderner Mobilfunk auf Schloss Neuschwanstein Einzug hält. Für die Besucher, die ihre Kini-Fotos und Videos dann von hier aus per Instagram oder TikTok in alle Welt schicken könnten, wäre das fast schon märchenhaft.

Mehr zum 5G-Ausbau am Schloss Neuschwanstein gibt's hier:

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Markus Jodl

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