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Markus Jodl

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Glasfaser für die Fraueninsel - Drama auf dem Chiemsee

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Alles ist bereit: Die Glasfaser, der Düker, die Taucher - doch dann passiert es: Der Bohrer bleibt stecken. War es das mit der Glasfaser für die Fraueninsel?

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Die Kabeltrommel auf der Fähre wartet auf den Einsatz.

Der erste Teil dieser Geschichte endete mit einem klassischen Cliffhanger - ungefähr so, wie 1980 die dritte Staffel der US-Seifenoper "Dallas", als nach Folge 54 alle Welt rätselte, wer auf den öligen Bösewicht J.R. Ewing geschossen hat. (Die Älteren unter uns erinnern sich ...)

Beim Anschluss der Fraueninsel auf dem idyllischen Chiemsee in Oberbayern ans schnelle Glasfasernetz der Deutschen Telekom wurde nicht geschossen, sondern gebohrt - tief in die Erde hinein, um vom Festland aus ein Seekabel zu verlegen. Zunächst ging dabei alles gut. Doch dann kündigte Telekom-Sprecher Markus Jodl ein "Drama auf dem Chiemsee" an.

Wir verraten, was passierte, und wie es am Ende doch noch zu einem "Happy End auf den letzten Düker" kam.

Warum die Fraueninsel Glasfaser bekommt

Rund 300 Menschen leben auf der Fraueninsel, die vor allem vom Benediktinerinnen-Kloster Frauenwörth geprägt wird. Die rund 30 Schwestern begrüßen das ganze Jahr über Gäste aus aller Welt, die hier zu Seminaren zusammenkommen. Deshalb benötigt das Kloster ebenso wie Bewohner und Geschäftsleute auf der Insel dringend eine schnelle und zeitgemäße Internetanbindung.

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Die Fraueninsel im Chiemsee

Doch das bestehende, langsame Kupferkabel auf dem Seeboden stammt aus dem Jahr 1991. Und auch der LTE-Mobilfunk stößt als Notbehelf zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen. Deshalb hat die Telekom von der Gemeinde den Auftrag erhalten, ein neues, 1,2 Kilometer langes Glasfaserkabel vom Festlands-Örtchen Gstadt auf die Insel zu verlegen, um dort schnelle Gigabit-Anschlüsse zu realisieren.

Hierfür bohren die Breitband-Spezialisten der Bergert Group aus Sachsen an beiden Ufern Löcher Richtung See, durch die dann das neue Kabel verlegt wird. Doch diese Operation ist hochkompliziert und hat ihre Tücken…

Der Bohrkopf und der Düker

Am Festland arbeitet sich ein gewaltiges Horizontalbohrgerät namens "Ditch Witch" ("Graben-Hexe") rund 280 Meter Richtung Seeufer vor. In dem Kanal, den die Hexe gräbt, werden die hauchdünnen Glasfaserstränge gleich doppelt geschützt - innen von einer 50 Millimeter dicken Gummi-Ummantelung, und außen von einer armdicken blau-grünen Hülle, dem sogenannten Düker. Das stellt sicher, dass die Glasfaser an Land durch äußere Einflüsse nicht beschädigt werden kann.

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Die Ditch Witch mit Bohrgestänge.

Um den Düker von einer Fähre aus Richtung Land schieben zu können, müssen zunächst Taucher den Bohrkopf unter Wasser orten und ihn dann mit Hilfe von Bergungsballons an die Oberfläche bringen. Auf der Fähre werden Bohrkopf und Düker verbunden. Dann beginnen die hochsensiblen Arbeiten, um den Düker durch den Bohrkanal an Land zu schieben.

Herausforderungen für die Taucher

Unter Wasser ist dann kein Düker als Schutz mehr erforderlich. Dort liegt das mit Eisen und dickem Gummi ummantelte Kabel auf dem Grund des Chiemsees. Trotz viel Eigengewicht fixieren es die Taucher nach dem Verlegen noch auf dem Grund des Sees, um es an Bewegungen zu hindern.

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Taucher arbeiten am Grund des Chiemsees.

Das ist nur eine von vielen Aufgaben der erfahrenen Unterwasser-Spezialisten bei der Operation "Glasfaser für die Fraueninsel". Taucher Dirk Kühnel erklärt, was ihn und seine Kollegen für diesen Job qualifiziert: "Wir waren fünf Jahre lang Minentaucher, sind in Eckernförde im Suchen und Bergen von Dingen solide ausgebildet worden."

Doch auch für sein Team sind die Arbeiten im Chiemsee quasi Neuland: "Das ist auch für uns, und sicherlich für alle Beteiligten, das erste Mal. Eine Seekabelverlegung mit Bergung von der Fähre, das sind alles Besonderheiten, das ist ein Unikat."

Eine der großen Herausforderungen sind die sehr speziellen Bedingungen auf dem Grund des Chiemsees: "Der Boden ist sehr schlammig. Wir haben teilweise ein, zwei Meter Schlamm, bevor wir festen Grund finden. Das heißt, bei jedem Bodenkontakt erzeugt man Bodennebel, Sicht gegen Null. Da ist dann erstmal nicht viel mit der Sicht zu machen, da muss man die Hände benutzen."

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Dirk Kühnel ist gelernter Minentaucher.

Sein Fazit steht schnell fest: "Der Chiemsee ist definitiv oberhalb des Wassers schöner. Wo hat man schon mal so einen schönen See mit Alpenpanorama, schneebedeckt?"

Und dann: Das Drama!

Filmisch dokumentiert werden die Arbeiten von der Firma Pro Scene Media mit diversen GoPro-Kameras und anderen Actioncams - unter Wasser, per Drohne und auf dem Land. Hier geht es nicht nur um tolle Motive für YouTube oder für die interne Dokumentation. Die Unterwasser-Aufnahmen dienen auch dazu, um dann auf der Fähre sehen zu können, wie sich der Bohrkopf verhält, und ob er nicht zu steil im Wasser liegt.

Beim Schieben des Dükers Richtung Land bekommen die sächsischen Filmspezialisten schließlich (ungewollt) spektakuläre Bilder vor die Linse. Denn nur mehr 40 Meter vor dem Ziel versagt der Bohrkopf - ein Schock fürs gesamte Team. Der Bohrer steckt mit dem Düker unter der Erde fest, schlimmer hätte es kaum kommen können.

Einsatz für die starke Irmgard

Das kapitale Problem lässt sich nur lösen, wenn Bohrkopf und Düker vom See aus wieder aus dem Bohrkanal gezogen werden. Doch hier schlagen zunächst alle Versuche fehl. Erst schafft es eine Fähre mit ihrer Motorkraft nicht, den Düker nennenswert aus der Erde zu ziehen. Dann reicht auch die Kraft von zwei miteinander verbundenen Fähren nicht.

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Die Irmgard gibt alles.

Schließlich muss Irmgard ran! Irmgard ist kein gestandenes oberbayerisches Kraftweib mit gewaltigen Muskeln, sondern das größte Schiff auf dem Chiemsee. Doch selbst die starke Irmgard ist zu schwach. Bohrkopf und Düker bewegen sich kaum, stecken fest in ihrem Loch.

Happy End auf den letzten Düker

Schließlich bleibt nur eine teure und zeitaufwändige Lösung, die die Verantwortlichen eigentlich vermeiden wollten: Am Ufer in Gstadt muss ein weiteres Loch gebohrt werden. Beim zweiten Bohrloch funktioniert schließlich alles, das Kabel lässt sich wie gewünscht verlegen. Und an einem späten oberbayerischen Winterabend, auf der mittlerweile finsteren und schneebedeckten Fraueninsel, klappt auch der Anschluss von der Inselseite aus.

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Happy End im Sonnenuntergang

Am Ende liegt das Kabel tatsächlich auf dem Grund des Chiemsees, die Fraueninsel ist endlich mit dem schnellen Glasfasernetz der Deutschen Telekom verbunden. Schon in Kürze, noch im Frühjahr 2020, können die Kunden auf der Insel die neuen Gigabit-Anschlüsse nutzen. Falls die Schwestern im Kloster Frauenwörth tatsächlich die eine oder andere Kerze dafür aufgestellt haben, dass sie und ihre Gäste bald schneller ins Internet können - die frommen Gebete wurden erhört!

Das ganze Drama im Video:

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Markus Jodl

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