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Lisa Machnig

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Gesicht Zeigen! Und Hass mit Liebe bekämpfen

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Du bist wertvoll. Ihr seid stark! Solche Sätze sind wichtig. Vor allem dann, wenn man sich klein fühlt. Etwa, weil man Opfer von Hass im Netz geworden ist. Negativität lässt sich mit Liebe bekämpfen. Gesicht Zeigen! tut genau das. 

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Hass im Netz: Negativität lässt sich mit Liebe bekämpfen. Gesicht Zeigen! tut genau das. 

Seit 20 Jahren setzt sich "Gesicht Zeigen!" für ein gleichberechtigtes Miteinander ein. Was den Verein von anderen unterscheidet, was es mit der sogenannten Love Speech auf sich hat und wie wichtig Partnerschaften sind, erklärt Sophia Oppermann, Geschäftsführung bei "Gesicht Zeigen!" im Interview.

Früh übt sich

Was ist das Ziel von Gesicht Zeigen!? Wofür setzt ihr euch ein?

Sophia Oppermann: Wir engagieren uns seit 20 Jahren aktiv gegen Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus. Wir bieten zum Beispiel viele pädagogische Projekte an, bei denen wir sehr intensiv und niedrigschwellig mit Schülerinnen und Schülern zusammenarbeiten. Denn je früher man anfängt, junge Menschen für ein positives und gleichberechtigtes Menschenbild zu sensibilisieren, desto wirkungsvoller kann Präventionsarbeit sein. 

Wie alles begann

Was hat euch bewogen, "Gesicht Zeigen!" zu gründen? 

Sophia Oppermann: Wir haben uns im Jahr 2000 gegründet. Damals gab es auf der Straße extrem viele rechtsextreme Übergriffe. Wir wollten etwas tun und die Zivilgesellschaft aufwecken. Wir wollten klarmachen, dass wir das nicht weiter zulassen. Schließlich gibt es eine absolute Mehrheit, die Rechtsextremismus ablehnt und verurteilt. 

Wie ging es dann weiter?

Sophia Oppermann: Bekannt geworden sind wir vor allem durch unsere öffentlichen Kampagnen. Wir haben Kinospots, Plakatkampagnen und mittlerweile auch viele Kampagnen im Netz. Diese bunten und lauten Kampagnen sind vielleicht das, was uns von anderen NGOs ein wenig unterscheidet. 

Schickt die Liebe raus!

Eine dieser Kampagnen ist Love Speech. Was verbirgt sich dahinter?

Sophia Oppermann: Love Speech bedeutet eine Art Umdenken. Es geht darum, sich aktiv für eine positive, gute und wertschätzende Sprache im Netz zu entscheiden. Das kann zum Beispiel ein Facebook-Kommentar sein „Hey, ich finde das gut, was Du machst!“ oder einfach eine wertschätzende Nachricht in die WhatsApp-Gruppe. Positive Kommunikation, nicht nur in der Reaktion, sondern eigenmächtig und aktiv. Man bleibt handelnd. Das ist ja ein bewusster Prozess, den man machen kann. 

Die Idee ist, dass man sich dem Hass, wenn es irgend möglich ist, nicht unbedingt aussetzt. Auch nicht mit Gegenargumenten. Stattdessen postet man positive Dinge, Gründe, warum man freundlich mit Menschen umgeht. Und zwar überall dort im Netz, wo man sich bewegt. Sei es auf der eigenen Homepage, in der Timeline, einer Whatsapp-Gruppe, auf dem Twitter oder Instagram Account.

Love Speech ist also eher eine generelle persönliche Haltung als eine direkte Reaktion auf Hasskommentare, wie beispielweise die Counterspeech?

Sophia Oppermann: Genau. Der Unterschied ist, dass man sich bei Love Speech selbstbestimmt und proaktiv in die Diskussion einbringt. Und nicht, weil man auf eine Trollarmee reagieren muss. Manche Menschen wollen und können sich dem Hass im Netz nicht aussetzen, das ist absolut verständlich. Denn es kostet viel Zeit und Kraft und Energie. Die kann man auch anders nutzen und einen positiven Akzent in seiner eigenen Kommunikation setzen. 

Kann man Love Speech erlernen?

Sophia Oppermann: Auf unserer Website Love Speech stehen ganz viele Tipps, an denen man sich orientieren kann. Wenn man in Berlin ist, kann man bei uns auch gerne einen Workshop machen. Um die Botschaft nach außen zu tragen, haben wir außerdem Love-Speech-Sticker, Buttons und einen Abreißzettel. Komplimente zum Mitnehmen sozusagen. Besonders beliebt sind auch unsere Postkarten. Da stehen dann Sätze drauf wie „Du bist wertvoll“, „Danke fürs Dasein“ oder „Ihr seid stark“.

Diese Postkarten waren auch Teil eurer viel gelobten Love-Speech-Pakete. Was hatte es damit auf sich?

Sophia Oppermann: Als Leute angefangen haben zu posten, dass sie einen Shitstorm oder Hate Speech erlebt haben, gab es ganz viel Solidarität im Netz. Und das ist auch ganz, ganz wichtig. Wir haben den Betroffenen, die wir kennen, dann zusätzlich ein Love-Speech-Paket mit einem Brief, einer dieser Postkarten und einer Pralinenpackung geschickt. Eine herzliche, analoge Anteilnahme, sozusagen. Von allen, denen wir so ein Päckchen geschickt haben, haben wir eine Antwort bekommen: Sie haben sich total darüber gefreut! 

Verbreitung leicht gemacht – Gefahren im Netz

Wo siehst Du Gefahren, die insbesondere im Netz lauern?

Sophia Oppermann: Wir wollen das Internet natürlich nicht verteufeln. Aber die schier unbegrenzten Möglichkeiten der Vernetzung können zur Gefahr werden. Am Stammtisch in der Eckkneipe erreiche ich vielleicht fünf Leute. Im Netz sind es schnell mal 50.000. Eine große Gefahr sind auch die sogenannten Echokammern. In diesen Blasen wird die eigene, negative Meinung nur noch bestärkt und andere Meinungen werden gar nicht mehr zugespielt. Es ist kaum möglich, solche Leute dann noch mit guten Argumenten oder gar pädagogischen Angeboten zu erreichen.

Einer für alle, alle für ein wertschätzendes Miteinander

Stichwort Vernetzung. Warum ist es so wichtig, sich im Kampf gegen Hass im Netz und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit mit anderen zusammenzuschließen?

Sophia Oppermann: Sich für ein wertschätzendes und demokratisches Miteinander und gegen Rechtsextremismus und Rassismus einzusetzen, kann man nicht an eine Initiative auslagern. Das Engagement muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Jede und jeder sollte mitmachen, Haltung zeigen und sich engagieren. Deswegen sind wir immer bemüht, eine möglichst breite Phalanx an Unterstützer*innen zu haben. 

Wer genau sind diese Unterstützer?

Sophia Oppermann: Das sind ganz verschiedene Menschen. Politiker und Vertreter der Wirtschaft oder auch Prominente, wie Iris Berben, Anja Kling oder der Musiker Sebastian Krumbiegel. Solche Menschen können mit unseren Inhalten noch mal ganz andere Zielgruppen erreichen. Die Telekom gehört übrigens ebenfalls zu unseren Unterstützern und das schon seit 2000. 

Was können wir alle tun – ob Promi, Unternehmen oder nicht –, um uns zu committen?

Sophia Oppermann: Wir sollten uns alle bewusst machen, wie wichtig Wertschätzung ist. Bedrohungen, Hass, Beleidigungen nehmen zu. Und da ist jedes Mittel, jede Methode gut und richtig, mit der man Betroffene unterstützt. Eine unserer Methoden ist: Schickt die Liebe raus. So einfach und simpel ist das manchmal.
 

Lena

Gegen Hass im Netz

Die Telekom kämpft für ein Netz ohne Hass, in dem alle respektvoll miteinander umgehen.

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