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Lisa Machnig

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„Hass im Netz geht uns alle an“

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Das Internet ist ein Raum voller Möglichkeiten und Inspirationen. Er bringt Menschen zusammen. Doch nicht immer verläuft der Austausch sachlich und konstruktiv. Allzu oft wird das Netz zum Nährboden für Hass und Hetze. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen hier Haltung zeigen und sich stark machen für ein Netz, in dem alle respektvoll miteinander umgehen.

Im Schutz anonymer Profile werden Stimmen laut, die nur eines zum Ziel haben: zu verletzen und zu diskriminieren. Für die Opfer ist es oft ein digitaler Spießrutenlauf. Sie fühlen sich allein. Eine ausweglose Situation? Nein, sagt Barbara Costanzo, Vice President Group Social Engagement Deutsche Telekom AG. Sie engagiert sie sich kontinuierlich für ein Netz ohne Hass. Wir haben mit ihr über digitale Zivilcourage gesprochen – ein Thema, das für sie Job und Herzensangelegenheit zugleich ist.

Die Telekom engagiert sich für ein Netz ohne Hass. Warum ist es wichtig, dass auch Unternehmen ein Zeichen setzen?

Barbara Costanzo, Vice President Group Social.

Barbara Costanzo, Vice President Group Social Engagement Deutsche Telekom.

Barbara Costanzo: Hass im Netz geht uns alle an – Privatpersonen, Institutionen, aber genauso Unternehmen! Nicht nur, weil wir uns als Gesellschaft die Frage stellen müssen, warum wir es zulassen, dass Einzelne attackiert und gedemütigt werden, sondern auch, weil Hass eine strategische Dimension hat. Er wird genutzt, um ganze Personengruppen auszugrenzen und Andersdenkende und ihre Meinungen aus dem Netz zu verdrängen. Und das ist eine konkrete Gefahr für eine offene und tolerante Gesellschaft, die nach demokratischen Spielregeln zusammenleben könnte.

Der digitale Raum ist längst zur Lebensrealität geworden. Wir wollen, dass alle teilhaben können an den Chancen, die uns das Netz bietet. Deshalb haben wir die Vermittlung von Medien- und Demokratiekompetenz zum Fokus unserer Aktivitäten gemacht. Denn wir wollen, dass Menschen die Vorteile der digitalen Welt genießen können und wissen, wie sie sie für sich nutzen können. 

Du machst anderen Mut, sich zu engagieren. Was treibt dich hier an?

Barbara Costanzo: Auch im Privaten setze ich mich für Menschen ein, die zu Gruppen gehören, die angefeindet werden. Und meine Aufgabe bei der Deutschen Telekom liegt mir sehr am Herzen, auch weil es um die Verteidigung demokratischer Werte geht. Es geht spürbar ein Rechtsruck durch unsere Gesellschaft.  Hass und Hetze in den digitalen Medien sind an der Tagesordnung. Das dürfen wir nicht hinnehmen, denn die Folgen spüren nicht nur die Betroffenen. Die Stimmung in der ganzen Gesellschaft wird feindseliger. 

Wenn unsere Demokratie in Gefahr ist, dann bekommt Medienkompetenz und damit der souveräne Umgang mit Medien eine noch viel stärkere Bedeutung. Eine wichtige Rolle spielen die sozialen Medien. Es ist wichtig, die Mechanismen hinter den Kulissen zu verstehen. 

Dein besonderes Anliegen ist Zivilcourage. Was ist damit eigentlich genau gemeint? Und wie funktioniert das im Netz?

Barbara Costanzo: Digitale Zivilcourage heißt, sich im digitalen Raum offen dafür einzusetzen, dass demokratische Spielregeln gelten. Dass Hass und Hetze nicht zum Normalfall werden, dass Opfern Solidarität entgegengebracht wird und dass Worte nicht zur Waffe werden. Nicht wegzusehen und zu schweigen, nicht froh zu sein, dass es einen selbst nicht betrifft, die eigene Schockstarre zu überwinden – das ist für mich digitale Zivilcourage. 

Dabei auch in Kauf nehmen, dass man selbst angegriffen wird, und trotzdem nicht abzurücken von dem, was für ein gutes Zusammenleben wichtig ist. Den schweigenden Mitlesern eine Alternative anbieten – jenseits von Meinungsmache und Hass.

Kann man digitale Zivilcourage denn wirklich lernen?

Barbara Costanzo: Definitiv! Sie ist nicht angeboren oder ein Merkmal, das man eben hat oder nicht. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Wahrscheinlichkeit zu helfen rapide steigt, wenn die eigene Kompetenz entweder durch Erfahrung oder durch Erprobung als gut eingeschätzt wird – so wie nach einem Erste-Hilfe-Kurs. Und es gibt viele tolle Organisationen, die konkrete Strategien anbieten, um Hass im Netz entgegen zu stehen, mit vielen von ihnen arbeiten wir direkt zusammen. 

Ich bin überzeugt, dass wir damit dazu beitragen, dass Menschen aufmerksamer werden und sich letztlich auch mehr Menschen gegen Hass im Netz stellen. Weil sie ihn erkennen und wissen, was sie tun können. Und auch wissen, dass sie mehr gewinnen als verlieren werden.

Was rätst du Menschen, die im Netz Opfer von Hass geworden sind?

Barbara Costanzo: Die wichtigste Botschaft ist sicher: Du musst da nicht alleine durch! Egal, ob jemand gemobbt wird oder in einen Shitstorm gerät – es gibt Hilfe und Unterstützung und die sollte man auch annehmen. Man kann Gruppen wie #ichbinhier einschalten, die sich im Netz solidarisch zeigen und für einen konstruktiven Dialog einstehen. Und ggf. auch Anzeige erstatten. Und man kann sich anonym und kostenfrei bei Nummer gegen Kummer oder Juuuport melden, die auch weitervermitteln, wenn noch mehr und dauerhafte Hilfe benötigt wird.

Nochmal ganz konkret: Was kann jeder von uns tun, um ein Zeichen gegen Hass im Netz zu setzen?

Barbara Costanzo: Raus aus der Schockstarre! Das Denken: „die anderen werden schon…“ führt dazu, dass niemand beginnt. Konstruktive Kommentare mit einem Like unterstützen, einen Hass-Post beim Plattformanbieter melden und dann Position beziehen, wenn etwas nicht ok ist. Man kann sich auch „Verbündete“ suchen und Initiativen kennenlernen, die vorleben, wie man sachlich und konstruktiv in den Dialog geht, auch wenn die Stimmung hochkocht. Und: Nicht einfach über Dinge, die nicht in Ordnung sind, hinwegsehen, sondern hinschauen und Haltung zeigen!

Es gibt darüber hinaus Meldestellen, wie „respect!“- die Meldestelle des BKAs oder auch hasshilft.de. Dort kannst du dich auch anonym melden. Und auch bei der Polizei kannst du Anzeige erstatten. Wenn du auf einen Hass-Kommentar antwortest, ist es wichtig, dir klarzumachen, dass es meist nicht darum geht, den Hater zu überzeugen. Du schreibst für die stillen, oft zweifelnden Mitleser und setzt für sie ein Zeichen. Stelle dich schützend vor die Opfer! Fehlende Hilfsbereitschaft und Solidarität schmerzen mindestens genauso wie der Hass selbst. Und sprich auch im privaten Umfeld oder unter Kollegen an, wenn Meinungen in der analogen Welt ausgrenzen. Denn oft bedingt es sich gegenseitig, was in der analogen Welt passiert und sich in der digitalen widerspiegelt. Werde mit uns aktiv #gegenhassimnetz!

Lena

Gegen Hass im Netz

Die Telekom kämpft für ein Netz ohne Hass, in dem alle respektvoll miteinander umgehen.

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