Folgen von Covid-19: Corona als Katalysator für Digitalisierung? (Teil 3)

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Ob virtuelle Konferenzen im Home-Office, Mathestunden per Klassenchat oder der tägliche Videoanruf mit den Großeltern: Die Pandemie hat sich vom ungewollten Stresstest zum Beschleuniger der Digitalisierung aller Lebensbereiche entwickelt – von der Wirtschaft über die Bildung bis zum Privatleben. Warum wir langfristig davon profitieren können – und wie es nach Corona weitergeht.

Junge Schüler am Laptop

Die „Digitale Schule“ ist in Deutschland eine Seltenheit. Die Pandemie legt schonungslos offen, dass Nachholbedarf besteht.

Warum fehlt es vielen Schulen und Kitas an Hard- und Software? Sind Pädagogen mit Online-Unterricht überfordert? Was muss passieren, damit die Jugend nicht zum Verlierer der Krise wird? Drängende Fragen, die die Gäste der TV-Diskussionsrunde „Hart, aber fair“ vor einigen Tagen engagiert diskutierten – darunter Bildungspolitiker, Vertreter von Lehrer- und Elterngremien sowie eine Digital-Unternehmerin. Tenor der kontroversen Runde, ausgestrahlt zur besten Sendezeit in der ARD: Die Corona-Pandemie hat einerseits die digitalen Defizite des deutschen Bildungssystems schonungslos aufgedeckt. Andererseits das Thema ganz nach oben auf die Tagesordnung gehoben. Zurecht. Aber auch gut, dass es bei diesem Thema nicht mehr nur beim Reden bleibt, wie etwa ein Blick nach Köln zeigt: Die Stadt hat Ende Mai ein Sofortprogramm gestartet und will schnellstmöglich 27.000 zusätzliche digitale Endgeräte wie Tablets für Kölner Schüler anschaffen.

Leeres Wartezimmer einer Arztpraxis

Leere Wartezimmer wird es auch nach der Corona-Pandemie vermutlich nicht geben. Dennoch: Digitale Sprechstunden werden an Bedeutung gewinnen.

Vom Stresstest zum Katalysator der Digitalisierung

Ob TV-Debatte oder Politik-Beschlüsse – die beiden Beispiele zeigen: Die COVID-19-Pandemie hat sich von einem ungewollten Stresstest zu einem nicht mehr aufzuhaltenden Katalysator der Digitalisierung unserer Gesellschaft entwickelt. Ob in Schulen, Unternehmen oder Arztpraxen – die letzten Wochen und Monate haben gezeigt: Im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie hat die Digitalisierung in allen Bereichen unseres Lebens deutlich an Fahrt aufgenommen, ja sich als wesentliche Stütze in der Krise erwiesen – für Unternehmen aller Branchen und Größen, fürs Bildungs- und Gesundheitswesen, für jeden Einzelnen von uns. Spätestens im viel zitierten „neuen Normal“ werden Videokonferenzen, E-Learning und digitales Arbeiten immer selbstverständlicher werden. Und wie offen wir – bedingt durch die Erfahrungen mit der aktuellen Corona-Pandemie – mittlerweile auch für eine Digitalisierung so sensibler Bereiche wie unser Gesundheitswesen sind, zeigt eine aktuelle, repräsentative Bitkom-Untersuchung in Deutschland: Demnach sprechen sich 93 Prozent der befragten Deutschen für den Ausbau der digitalen Gesundheitsversorgung aus. Im Schnitt rund 60 Prozent der Befragten wollen, dass die ärztliche Beratung per Chat und Video-Sprechstunden künftig zum medizinischen Standard werden. Und 53 Prozent sind der Ansicht, dass sich mithilfe digitaler Technologien Krisen wie die jetzige besser bewältigen lassen.


„Die Covid-19-Pandemie ist der Katalysator der Digitalisierung“, sagte unser Vorstandschef Tim Höttges jüngst zum Auftakt der Digital X, Europas führender Digitalisierungsinitiative – die im Übrigen selbst ein Beispiel für die kreative Kraft ist, die die Digitalisierung in Krisenzeiten entfalten kann: Haben wir es doch geschafft, dieses Event mit gut einem Dutzend Speakern und zahlreichen Vorträgen innerhalb kürzester Zeit ins Digitale zu überführen. Mit Erfolg: 17.000 Teilnehmer verfolgten die Veranstaltungen von ihren Rechnern aus. Insgesamt verzeichnete das digitale Großevent über alle Kanäle hinweg 3,75 Millionen Impressions. „Wenn Sie nicht wissen, was Sie tun sollen – Digitalisieren“, appellierte Höttges an die Teilnehmer der Digital X. „Das ist eine Aufgabe für jeden von uns und auch jedes Unternehmen. Denn es ermöglicht neue Effizienzen, neue Verkaufskanäle und mehr Flexibilität in den Arbeitsabläufen und Prozessen.“

Schlüsselrolle für die Telkos

Die Telekommunikations-Industrie wird bei dieser Entwicklung eine Schlüsselrolle einnehmen – als technischer Enabler und strategischer Berater im Dienste ihrer Kunden. Schließlich ist der Wert stabiler Konnektivität und kreativer digitaler Lösungen heute und auch in Zukunft so hoch wie nie. Für die Telekommunikationsunternehmen bietet sich damit künftig nicht nur die Chance, mehr Bandbreite und höhere Geschwindigkeiten zu verkaufen. Sondern auch, mit ihren und für ihre Kunden branchenübergreifende, zeitgemäße, digital gestützte Lösungen – Produkte und Dienstleistungen – zu finden. Dass wir die Digitalisierung forcieren können, haben wir gerade gezeigt: Letztlich hat die kritische Infrastruktur den Belastungstest in der Krise mit Bravour bestanden und damit bewiesen, wie unverzichtbar eine verlässliche, digitale Basis als Rückgrat von Wirtschaft und Gesellschaft ist. Daher wird es auch spannend zu beobachten sein, ob es in Deutschland möglich ist, vor dem Hintergrund jüngster Erfahrungen Genehmigungsbedingungen für einen weiteren Netzausbau zu vereinfachen und zu beschleunigen. Warum das wichtig ist? Weil wir so die Resilienz gegen künftige Krisen stärken und dazu beitragen, konstruktive Lösungen auf die größten Herausforderungen unserer Gesellschaft zu finden.

Mit Mut ins neue Normal aufbrechen

Was uns diese Erfahrungen der letzten Wochen auch zeigen? Dass Angst in unsicheren Zeiten ein schlechter Berater und stattdessen Initiative gefragt ist, um eine Krise wie die aktuelle zu bewältigen. Was mir besonders Mut macht: Dass wir alle die positive Kraft der Digitalisierung erleben und die Chance hatten und haben zu erkennen, dass die Digitalisierung unseren Unternehmen und Institutionen, damit unserer Gesellschaft als Ganzes und jedem Einzelnen unter uns einen positiven Neustart in die Zukunft ermöglicht. Denn uns allen sollte klar sein: Durch Corona findet eine Zäsur statt, eine Rückkehr zum „davor“ ist ausgeschlossen. Stattdessen haben wir jetzt die Chance, die Weichen zu stellen für die Zeit nach der Pandemie. Also das „neue Normal“ zu gestalten und echten digitalen Fortschritt zu erreichen.

Wie aber kann dieses „neue Normal“ in einer Zeit nach Überwindung der Corona-Krise konkret aussehen? Ein Ausblick in sieben Thesen:

Beschleunigte Digitalisierung der Wirtschaft

Die Krise zwingt viele Unternehmen zum Sparen – jetzt und nachhaltig. Wie T-Systems CEO Adel Al-Saleh betont, ist die Digitalisierung schon immer ein Katalysator zur Steigerung von Effizienz und finanzielle Stabilität. Die Beschleunigung der digitalen Agenda kann eine Folge der Corona-Krise sein – mit der Telekommunikationsbranche als Hauptakteur.

Akzeptanz digitaler Zusammenarbeit

Der massenhafte Wechsel ins Home-Office machte endgültig deutlich, dass es sich hierbei nicht um Arbeit aus der Hängematte handelt. Auch die Geschwindigkeit, in welcher die Umstellung erfolgte, konterkarierte viele technische Bedenken. Nach Corona wird bei vermutlich immer mehr Geschäftsreisen die Frage aufkommen, ob nicht auch ein virtuelles Meeting ausreicht. Nicht zuletzt auch mit Blick auf eine neue ökologisch-nachhaltige Realität, die die Grundlagen für die Wettbewerbsfähigkeit und damit das wirtschaftliche Überleben neu definiert.

Mann in einer Hängematte

Das Vorurteil „Home-Office ist doch wie Urlaub“ dürfte sich durch die Corona-Krise erledigt haben.

Entwicklung hybrider Arbeitsmodelle

Präsenzpflicht komplett durch Arbeit im Home-Office zu ersetzen kann allerdings nicht das Ziel unserer neuen Arbeitswelt sein. Es gilt, hybride Arbeitsmodelle zu entwickeln, die die Vorteile beider Welten optimal miteinander vereinen. Dazu gehört zum einen, Wege zu finden, um digitale Fähigkeiten für produktives Remote-Working zu fördern sowie die Motivation der Mitarbeiter trotz reduzierter sozialer Interaktionen sicherzustellen. Es muss aber auch Klarheit bestehen, wann die Arbeit im Büro notwendig ist – nicht ausschließlich zum Zwecke höherer Performance, sondern auch für das Team-Building und persönliche Begegnungen.

Mehr Interaktionen mit Privatkunden

Der Austausch mit bestehenden und potenziellen Kunden wird im Privatkundengeschäft künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen. Diese Interaktionen finden zwar auch künftig in einem gewissen Maße noch analog, in zunehmendem Maße aber über digitale Kanäle statt – einfach, weil Kunden erwarten, dass Unternehmen jeden Dienst digital zugänglich machen. Eine Entwicklung aber auch im Interesse der Unternehmen – schließlich bieten die durch den digitalen Austausch zunehmend zur Verfügung stehenden Kundendaten viele Anlässe für passgenaue Angebote, Mehrgeschäft oder gar neue Geschäftsmodelle. Voraussetzung für die Nutzung dieser Daten: Die Kunden können sich auf ein hohes Maß an Datenschutz verlassen.

Resiliente Wertschöpfungsketten für Geschäftskunden

Auch wenn im Geschäftskundenbereich der persönliche Kundenkontakt weiterhin essenziell bleiben wird: Wir werden gerade in diesem Bereich eine deutliche Beschleunigung von Digitalisierung und Automatisierung in allen Sektoren erleben. Verbunden mit einer erhöhten Nachfrage nach dem Aufbau resilienter Wertschöpfungsketten – auch dies eine klare Reaktion auf die Erfahrungen in Corona-Zeiten. Die ermunternde Botschaft: Der Kapitalmarkt wird solche Investitionen in die Digitalisierung jeglicher Geschäftsprozesse belohnen.

Das Potenzial digitaler Bildung ausschöpfen

Schulen werden den klassischen Präsenzunterricht sicher nicht komplett durch Home Schooling ersetzen. Dennoch haben auch Schulen unlängst erfahren, dass sie sich in Zukunft digitaler aufstellen müssen. Die Erfahrungen in der Corona-Zeit haben deutlich gemacht, dass digitale Bildung nicht nur machbar, sondern hochgradig sinnvoll ist. Und dass wir das konstruktive Potenzial digitaler Bildung noch nicht ansatzweise ausgeschöpft haben.

Digitaler Schwung fürs Sozialleben

Der Lockdown kann einsam machen. Dass man auch via FaceTime und Skype in Kontakt bleiben kann, gar zusammen Sport machen oder ein Feierabendbier trinken kann, lernen gerade große Teile der Gesellschaft. Klar: Das Internet wird nie ein vollständiger Ersatz für den Sportplatz oder die Kneipe werden. Das weiß auch die Deutsche Telekom. Dass dennoch jeder am digitalen Sozialleben teilhaben kann, ist oberstes Ziel: Wir geben uns erst zufrieden, wenn alle #dabei sind.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Krise? Und welche Erfahrungen, welche Erkenntnisse werden aus Ihrer Sicht auch in der Zeit nach der Pandemie bleiben? Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen!

Klappt die Zusammenarbeit im Home-Office? Bleiben die Netze stabil und unsere Kunden liquide? Und wird die Digitalisierung langfristig zum Katalysator für die Digitalisierung unserer Arbeit und Bildung? In dieser dreiteiligen Serie beschreiben wir, wie sich die Pandemie auswirkt –auf die Deutsche Telekom (Teil 1), die Telekommunikationsbranche (Teil 2) und unsere Gesellschaft (Teil 3).